Ziele der Forschungsinitiative
Die deutschen Hochschulen und insbesondere die Universitäten befinden sich seit einigen Jahren in einen nachhaltigen Reformprozess. Kennzeichen dieses Prozesses sind:
- Strukturwandel des deutschen Hochschulsystems (u.a. wachsenden Erwartungen an hochqualifizierte Absolventinnen und Absolventen für den Arbeitsmarkt, der Bologna-Prozess, Exzellenzinitiative, Pakt für Forschung und Innovation, Ausbau regionaler Kooperationen mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen)
- Größerer Wettbewerb zwischen den Universitäten (um Drittmittel, Spitzenpersonal und wissenschaftlichen Nachwuchs)
- Wachsende Bedeutung eines klaren Forschungsprofils jeder Universität (Unternehmenskooperation und -ansiedlung, Drittmittel)
- Bessere Sichtbarkeit von Wissenschaftsstandorten (corporate identity, internationale Vernetzung)
Die Forschungsinitiative unterstützt die Universitäten in Rheinland-Pfalz dabei, ihre Stärken im Wettbewerb der Besten deutlicher zur Geltung zu bringen. Sie setzt auf ein klares Forschungsprofil und die Entwicklung strategischer Ziele im Wettbewerb um Studierende, Nachwuchs- und Spitzenforscherinnen und -forscher sowie Fördermittel. Zentral dabei sind:
- Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Autonomie der rheinland-pfälzischen Universitäten durch Profilbildung.
- Eine universitätsinterne Identifizierung der Forschungsstärken.
- Der Aufbau und Ausbau von identifizierten Forschungsschwerpunkten und exzellenten Forschungszentren.
- Eine Fokussierung der Forschungsförderung des Wissenschaftsministeriums auf profilgebende Forschungsbereiche.
- Die Verbesserung der Rahmenbedingungen für eine zweite Exzellenzinitiative nach 2011.
Das Konzept der Forschungsinitiative
Gemeinsam mit den rheinland-pfälzischen Universitäten hat das Wissenschaftsministerium seit Juni 2007 seine Forschungsinitiative zur Profilbildung und Qualitätssicherung erarbeitet. Sie umfasst die Ausarbeitung einer Gesamtstrategie jeder Universität zur Entwicklung ihrer zentralen Forschungsbereiche. Die Gesamtstrategie jeder Universität umfasst die Stärkung von
- Spitzenforschung
- wissenschaftlichem Nachwuchs
- Drittmitteleinwerbung
- internationaler Kooperation
- Vernetzung mit außeruniversitären Einrichtungen.
Aufbauend auf der Gesamtstrategie der Universitäten sieht das Konzept der Forschungsinitiative drei aufeinander abgestimmte Förderstufen vor:
- Stufe I: Universitätsinternes Fördersystem
Jede Universität fördert nach transparenten Kriterien die Arbeitsgruppen, deren Forschungsziele dem fachlichen Universitätsprofil in besonderer Weise entsprechen. - Stufe II: Forschungsschwerpunkte
Das MBWWK fördert Forschungsschwerpunkte, die über ein besonderes Entwicklungspotential, ein integriertes Forschungskonzept und Pläne zur koordinierten Einwerbung von Drittmitteln verfügen.
- Stufe III: Forschungszentren
Das MBWWK fördert Forschungszentren, in denen sich exzellente, international sichtbare Arbeitsgruppen auf ein interdisziplinäres Forschungsziel konzentrieren.
Die Gesamtstrategien der Universitäten sowie die Anträge auf Förderung von Forschungsschwerpunkten und Forschungszentren wurden durch eine externe Gutachtergruppe beurteilt. Die Förderentscheidungen und die Zielvereinbarungen wurden auf der Grundlage dieses Gutachtens ausgearbeitet. Im Jahr 2011 wird das Wissenschaftsministerium eine Evaluation der Forschungsschwerpunkte und Forschungszentren sowie der Gesamtstrategien der Universitäten durchführen. Auf der Grundlage dieser Evaluationsergebnisse wird die Landesregierung über die Verlängerung der Förderung bis zum Jahr 2013 entscheiden.
Das Neue an der Forschungsinitiative
Mit der Forschungsinitiative ändert das Wissenschaftsministerium seine bisher antragsbezogene jährliche Förderung zugunsten einer längerfristigen Förderung auf der Grundlage von Zielvereinbarungen. Damit erfolgt eine grundlegende Reform der bisherigen Praxis verbunden mit einer nachhaltigen Stärkung der Autonomie der Universitäten. Mit Zielvereinbarungen, die eine Laufzeit von dreieinhalb Jahren mit einer zweijährigen Verlängerungsoption haben, sichert das Land die kontinuierliche Förderung der Forschungsschwerpunkte und Forschungszentren. Das schafft Planungssicherheit für die Universitäten und entlastet die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von aufwendigen Antragsverfahren.
Das Land stellt den Universitäten im Rahmen der Forschungsinitiative von Juni 2008 bis Dezember 2011 zusätzlich zur Grundfinanzierung insgesamt über 64 Mio. Euro zur Verfügung. Darüber hinaus besteht für die Universitäten die Möglichkeit im Rahmen der Forschungsinitiative von 2008 bis 2011 jährlich weitere Fördermittel der Europäischen Union (EFRE) für Maßnahmen einzuwerben, die der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit vor allem kleiner und mittlerer Unternehmen im Land dienen und gleichzeitig die anwendungsorientierte Forschung der Universitäten stärken. Neu ist zudem der Prozess, der zur Förderentscheidung des Landes geführt hat. Hier wurde den Universitäten ein großer Gestaltungsspielraum eröffnet, den sie verantwortungsvoll und zukunftsweisend genutzt haben.
Förderung im Rahmen der Forschungsinitiative
Im Rahmen der Forschungsinitiative werden an den Universitäten des Landes Rheinland-Pfalz folgende Vorhaben gefördert:
Johannes-Gutenberg Universität Mainz
7 Forschungsschwerpunkte
- Hochschul- und Bildungsforschung
- Historische Kulturwissenschaften
- Medienkonvergenz
- Neurowissenschaften
- Präventive Medizin - vaskuläre Prävention
- Rechnergestützte Forschungsmethoden in den Naturwissenschaften
- Wirkstoff- und Partikeltransport in Biomedizinischen Systemen
5 Forschungszentren
- Elementarkräfte und mathematische Grundlagen
- Erdsystemwissenschaften
- Immunologie
- Komplexe Materialien
- Sozial- und Kulturwissenschaften
Gutenberg-Forschungskolleg
- Strategisches Instrument zur Förderung individueller Exzellenz und der Profilbildung der Universität
Technische Universität Kaiserslautern
5 Forschungsschwerpunkte
- Advanced Materials Engineering
- Ambient Systems - Technologien und Anwendungen
- Membrantransport
- Nanostrukturierte Katalysatoren für eine effizientere Nutzung von Rohstoffen
- Nachhaltige Bauwirtschaft
2 Forschungszentren
- Center of Mathematical an Computational Modelling
- Optik und Materialwissenschaften
Technologieschwerpunkte
- Region und Stadt
- Zentrum für Nutzfahrzeugtechnologie
Universität Koblenz-Landau
3 Forschungsschwerpunkte
- INTERNANO: Funktionen und Transformation synthetischer anorganischer Nanopartikel in aquatischen und terrestrischen Systemen
- Unterrichtsprozesse: Lehrkompetenzen und Diagnostik
- Advanced adaption of software-intensive systems
Universität Trier
5 Forschungsschwerpunkte
- Historische Kulturwissenschaften
- Global Change für Bioressourcen, Gesetzgebung und Standardsetzung
- Regional- und Umweltstatistik
- Elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften
- The Design of Efficient Labour Market Institutions in Europe
1 Forschungszentrum
- Europa - Strukturen langer Dauer und Gegenwartsprobleme

